Montag, 21. Januar 2008

Mit offenen Karten - Afghanistan

"Die Geschichte Afghanistans erklärt sich weitgehend aus seiner geographischen Lage. Es bildet den östlichen Teil der Hochebene, die man als Hochland von Iran bezeichnet, und wird durch den westlichen Flügel der gekrümmten Hochgebirgskette, die den indischen Subkontinent vor den räuberischen Steppenbewohnern Zentralasiens schützte, in zwei Teile zerschnitten. Nur in Afghanistan sind diese Gebirgszüge für Heere passierbar, so daß nach Indien gerichtete Invasionen entweder diesen Weg nehmen oder ihre Westflanke umgingen." (G.E. von Grunebaum)


Heutzutage liegt Afghanistan auf dem Weg diverser projektierter Pipelines, was die Geschichte des Landes nicht weniger farbig gestaltet wie zu früheren Zeiten (siehe u.a. Uni Kassel 1; Journal für Antimilitarismus; zu Hamid Karzai)


Trotzden noch einige Geschichten aus der Geschichte:

  • Als Ende des 19. Jahrhundert Russland Richtung Osten expandierte, sah das Britische Empire seine Interessen in Indien bedroht. Britische Strategen tüftelten daher den Plan aus, eine britische Marionette auf den afghanischen Thron zu setzen und auf diese Weise Afghanistan in eine verlässliche Festung zum Schutz der Kolonie Indien zu verwandeln. Zu diesem Zweck führten die Briten zwei Kriege, von denen erst der zweite für sie erfolgreich verlief. Der Emir, der nach ihrem Rückzug Herrscher von Afghanistan wurde - 'Abdurraman Han - erklärte sich nämlich bereit, Großbritannien die Kontrolle über die afghanische Außenpolitik zu überlassen. Für Afghanistan war diese Entscheidung eine Katastrophe, bedeutete sie doch eine selbst auferlegte Isolierung von der übrigen Welt, die, zusammen mit dem (erst!) damals erstarkenden religiösen Fanatismus, dass das Land für 50 Jahre vom Fortschritt ausschloss. Nicht weniger gravierend war, dass dieser Emir das sogenannte Durand-Abkommen von 1893 unterzeichnete. Mit diesem Abkommen wurde nämlich ein Teil des Südostens Afghanistans samt seiner Bevölkerung Indien zugeschlagen. Dieser ehemalige Teil Afghanistans wiederum wurde 1947 Teil Pakistans. Daraus erklärt sich, warum ein Teil der Bevölkerung Pakistans Paschtunen/Pathanen/Afghanen sind. Sie bewohnen hauptsächlich die Nordwestprovinz, die Stammesgebiete sowie einen Teil Belutschistans. In Belutschistan liegt übrigens auch die Stadt Quetta (hauptsächlich nach G.E. von Grunebaum).
  • Die USA haben die Gruppierungen, die sie heute in Afghanistan bekämpfen (Al-Quaida, die Taliban) zu anderen Zeiten unterstützt, wenn nicht überhaupt erst groß gemacht. Erst als sich erwies, dass diese Gruppen nicht (mehr) den Interessen der USA dienen wollten, wurden sie zu "Feinden" (siehe u.a. Taliban FESt; Taliban 1; Taliban 2; Al-Kaida).
Einige der Probleme, für die heute die Staatengemeinschaft gerade stehen soll, wurden also von Kolonialherren und Großmächten verursacht bzw. gefördert. Wobei sie natürlich ausschließlich ihren eigenen Interessen gedient haben bzw. dienen. Es ist zweifelhaft, dass das bei einem weiteren Eingreifen dort anders sein wird.

Kommentare:

Ray Gratzner hat gesagt…

Eine schöne Sammlung von Hintergrundinformationen. Man kriegt ja in den Medien häufig nur das Oberflächliche Tagesgeschehen präsentiert.

Die Große Vorsitzende hat gesagt…

Wahrscheinlich nicht unabsichtlich. Informationen können ja auf verschiedene Weise präsentiert werden. In den Medien werden sie (meist) so präsentiert, wie sie den Politikern nützen.

Das ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Medienorgane stützen die Maßnahmen der Politiker mit ihrer Berichterstattung. Dafür bekommen sie von den Politikern Interviews, Vorab-Informationen über geplante Maßnahmen etc., mit denen sie dann Zuschauer bzw. Leser für sich interessieren können. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Trotzdem wäres es wünschenswert, dass die Medien ihrem Anspruch, objektiv und umfassend zu berichten, mehr gerecht würden.